Himmelfahrt – Impuls von Dr. W. Hoebsch

Heute darf ich einen Beitrag einstellen von Dr. Werner Höbsch, vielen von uns vertrauter als Swen. Die Zahl derer, die sich in ihren Gemeinden nicht mehr wohl fühlen oder gute Predigten vermissen, wird immer größer. 
So darf ich heute mit Feude Gedanken von ihm zum Thema Christi Himmelfahrt Euch und Ihnen allen zugänglich machen mit der Frage, was fangen wir Christen mit diesem Tag noch an, außer einen freien Tag zur Verfügung zu haben und ihn zum "Vatertag" verkommen zu lassen…
Viel Vergnügen und Erkenntnis beim Lesen!

Biblische Impulse – Gedanken zu ungehaltenen Predigten
Fest Christi Himmelfahrt 9. Mai 2024
Lesung: Apg 1,1–11
Evangelium: Mk 16,15–20

Adieu oder Adiós! So lautet meine Überschrift zum Fest Christi Himmelfahrt. À Dieu –
zu Gott, so lässt sich „Himmelfahrt“ ins Heutige übertragen. In der Sprache der Bibel
heißt es: „Jesus wurde in den Himmel aufgenommen“ – zu Gott, seinem Vater.

Himmelfahrt klingt so märchenhaft wie Peterchens Mondfahrt, ein Wort für Insider.
„Vatertag“ hat sich in der Bevölkerung für diesen Tag etabliert. Und doch enthält die
Himmelfahrt Christi eine Zeitansage für seine Jüngerinnen und Jünger wie auch für
die Christinnen und Christen in der Gegenwart. Jesus ist der Welt der Jüngerinnen
und Jünger entschwunden, er spricht nicht mehr von Mensch zu Mensch mit ihnen,
sitzt nicht mehr mit ihnen am Tisch, er vermehrt nicht mehr Brot für Hungrige, heilt
keinen Kranken und Gebrochenen mehr und streitet nicht mehr in der Öffentlichkeit
um das Verständnis des Glaubens. Das irdische Wirken Jesu ist nun Geschichte.

Auch dem Blickfeld von Menschen unserer Zeit ist Jesus entrückt, viele vermissen
ihn nicht, manche erinnern sich vielleicht noch an ihn aus Erzählungen ihrer Kindheit.

Während die Jüngerinnen und Jünger, die mit Jesus unterwegs waren, noch seine
Stimme im Ohr und sein Aussehen vor Augen hatten, war bereits die zweite Genera-
tion auf Überlieferungen angewiesen – wie auch wir heute. Den Zeugnissen konnte
geglaubt oder sie konnten ignoriert werden. Ein religiöses Niemandsland hat sich in
unserer Gesellschaft ausgebreitet, die Frage nach der Himmelfahrt mag noch geeig-
net sein als Quizfrage bei Günther Jauch „Wer wird Millionär“.

Adieu ist ein Abschiedsgruß. Wer seinen Bekannten Adieu sagt, entzieht sich ihrem
Gesichtsfeld, lässt sie, vielleicht mit dem Gefühl der Wehmut oder verunsichert zu-
rück. Die Lesung aus der Apostelgeschichte spricht von „zwei Männern in weißen
Gewändern“, die die zum Himmel Blickenden provozieren: „Was steht ihr da und
schaut zum Himmel empor?“ Diese Frage leitet einen radikalen Perspektivwechsel
ein und will ermutigen, einen neuen Blick zu wagen. Mit dem Adieu Jesu setzt ein
neuer Zeitabschnitt ein. Nicht mehr Jesus gibt fortan in Wort und Tat Zeugnis von
Gott, das ist jetzt die Aufgabe der Gemeinde auf dem Weg der Nachfolge. Der Ab-
schied eröffnet neue Räume und drängt, mündig, erwachsen zu werden und Verant-
wortung zu übernehmen. Auch uns ist gesagt: „Was steht ihr da und schaut zum
Himmel empor?“ Jetzt seid ihr an der Reihe. Himmelfahrt ist keine kosmologische
Beschreibung, sondern eine existentielle Botschaft, welche die Gemeinde sowie jede
Einzelne und jeden Einzelnen herausfordert.

Was den Jüngerinnen und Jünger vor 2000 Jahren blieb und uns heute bleibt, ist die
Erinnerung der befreienden Botschaft, das „Wort des lebendigen Gottes“. Die Erinne-
rung an Jesus und sein Evangelium bedeutet nicht, Heldengeschichten oder Anekdo-
ten, keine noch so frommen Geschichten zu erzählen. Vielmehr stehen wir im Wort,
das getan werden soll und zum solidarischen Handeln im Geiste des Mannes aus
Nazaret ruft. An uns ist es jetzt, Hungrigen zu essen zu geben, Gebrochene zu hei-
len, für Frieden und Gerechtigkeit öffentlich einzutreten und die Botschaft von der
Barmherzigkeit Gottes zu bezeugen. An den Gemeinden liegt es, Trauernde zu trös-
ten, Fremde aufzunehmen und sich Nahen und Fernen gegenüber in Solidarität zu
üben.

Die Gefahr besteht darin, Jesus zu konservieren, ihn in ein Museum oder ein pracht-
volles Mausoleum einzusperren. Im Markusevangelium ist uns gesagt: „Geht hinaus
in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ Es ist nicht
gesagt: „Gründet eine mächtige Institution!“ und auch nicht: „Richtet eine gut struktu-
rierte Verwaltung der frohen Botschaft ein!“ Verkündigung des Evangeliums heißt,
das Evangelium tun.

Hinauszugehen lautet der Auftrag, hinausgehen in eine Welt, die von Gewalt und
Zerstörung geprägt ist, um dort heilsam zu wirken und im Teilen des Brotes Seine
verborgene Gegenwart zu erspüren. Die Wiederkunft Christi wird verheißen. Bis da-
hin ist es an uns, als Kirche und Gemeinde das Evangelium zu leben – in Glaube,
Hoffnung und Liebe.

Werner Höbsch werner.hoebsch@gmx.de

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